Über eine erschütternde Begegnung mit bettelnden Kindern

Endlich, die Badesaison hat uns wieder. Schon den zweiten Tag hintereinander – und morgen folgt der dritte – bin ich mit den Kindern ins nächstgelegene Bad geradelt. Ein Kind im Anhänger, eines im Kindersitz. Stolz bin ich auf mich. Das ist toll. So ohne Auto. Das hat etwas von Freiheit. Überhaupt bin ich jedes Jahr wieder überrascht – vielleicht sollte ich, bevor ich diesen Text schreibe, mal schauen, ob ich letztes Jahr zu dieser Zeit nicht irrtümlich schon den gleichen Text geschrieben habe? – von diesem Gefühl von Freiheit im Sommer. Wenig Kleidung, leichte Schuhe, Sonne, blitzblaues Wasser (Mama, warum ist das Wasser blau. Äh… Mama, vielleicht ist der Boden blau. Ja, genau.), blitzblauer Himmel, Vogelgezwitscher, blühende Blumen, endlich Erdbeeren aus Österreich, endlich Tomaten aus Österreich, herrlich.

Ein bisschen traurig bin ich aber auch. Folgendes hat sich nämlich heute beim Verlassen des Bades abgespielt: Eine Gruppe von Kindern, offensichtlich mit Migrationshintergrund, hat mich um Geld gebeten, damit sie ins Bad gehen können. Ich habe kurz überlegt, ob das wohl stimmen könnte oder ob es sich um eine „Bettler-Bande“ handeln könnte, habe aber dann einem der Kinder in die Augen gesehen und gedacht, nein, das passt schon und mein gesamtes Kleingeld hergeben. Die Kinder haben sich bedankt und gelacht und kurz war ich ziemlich glücklich, an diesem eh schon so tollen Tag etwas Gutes getan zu haben. Die Kinder sind dann auch tatsächlich auf den Eingang der Schwimmbades zugegangen. Plötzlich ist dort allerdings ein Mann aufgetaucht, hat den Kindern das Geld abgeknöpft und sie dann wieder rausgeschickt. Sprachlos habe ich diese Situation aus ein paar Metern Entfernung beobachtet. Es war also doch eine Bettler-Bande. Allerdings haben die Kinder wohl selbst geglaubt, dass sie, wenn sie genügend Geld haben, ins Bad gehen dürfen. Denn so gut schauzuspielen traue ich denen echt nicht zu.

Beim Beobachten der Situation und auch nachher sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Der erste Gedanke war: Ich geh da jetzt hin und sag dem Kerl, dass ich den Kindern das Geld gegeben habe und zwar damit sie baden gehen können und dass er sie das jetzt auch tun lassen soll. Der zweite Gedanke war: Arg. Dieser Mann ist böse. Mein dritter Gedanke war: Wenn ich da jetzt hingehe, wer weiß was der dann macht mit mir. Usw., usf. Ich bin nicht hin gegangen.

Ich musste und muss immer noch an den Film „Slumdog Millionär“ denken. Haben Sie den gesehen? Da wäre ja der Protagonist auch beinahe zu einem Bettler in einer organisierten Bande geworden. Das waren heftige Szenen in diesem Film, die aber leider Realität sind.

Was können wir – wir, die Menschen – für diese armen Kinder, vielleicht aber auch für diesen bösen, aber vielleicht ja auch recht armen Mann tun, der vielleicht selbst auch keine andere Möglichkeit hat, als zu betteln? Ja, was macht man da? Was können wir tun?

Eine Idee gibt es übrigens: Kennen Sie die Idee des aufgeschobenen Kaffees? Sie gehen in ein Kaffeehaus, kaufen sich einen Kaffee, zahlen zwei und lassen sozusagen den zweiten Kaffee aufschieben für einen Obdachlosen zum Beispiel. Nähere Infos dazu finden Sie unter http://www.coffeesharing.com

 

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