Nina Stögmüller: Raunächte erzählen

Es gibt zwölf heilige Nächte pro Jahr. Wussten Sie das? Ich nicht. Ich dachte, die einzige heilige Nacht ist die allseits bekannte, die stille. Die, in der das Jesus-Kind im Stall zu Bethlehem geboren wurde, die, in der wir unterm Baum zwischen zerknülltem Weihnachtspapier sitzen und singen. Doch weit gefehlt. Die sogenannten Raunächte finden geballt zwischen 21. Dezember und 6. Jänner statt und sind im Stande, die Grenzen zu einer anderen Welt aufzuheben. So heißt es zumindest in den unzähligen Bräuchen, Ritualen und Erzählungen die – bislang – fast nur mündlich überliefert worden sind. Sie erinnern sich sicher an die weiße Wäsche, die in diesen Nächte NICHT draußen hängen sollte…

In dem von Nina Stögmüller geschriebenen und von Stefan Kahlhammer liebevoll und witzig bebilderten, wie die Autorin es nennt, Sach- und Märchenbuch „Raunächte erzählen“ erzählt die Linzerin Märchen rund um diese sagenumwobenen Nächte. Es sind Geschichten, die dazu inspirieren sollen, in dieser speziellen Zeit, in der ja angeblich sogar die Sonne mal Pause macht, angeblich, selbst auch inne zu halten, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und sich auf das nächste einzustimmen. Inkl. Wünsche, Träume und Ideen für das weitere Leben.

In „Raunächte erzählen“ trifft man auf Gestalten wie Frau Percht, die in den Häusern nach dem Rechten sieht, auf die Glücksfee, den Wichtel Edeka, einen Jammerlappen, auf geliehene Eltern, eine Geschenkedeuterin. Natürlich beginnen alle Geschichten mit den drei Wörtern, die automatisch Wohlgefühl auslösen – „Es war einmal…“ – und schließen mit einem glücklichen Ende. Zu lesen ist dieses Buch wie ein Reiseführer durch die Raunächte. Oder einfach als Einschlaflektüre, was nicht heißt, dass diese Lektüre zum Einschlafen ist. Spannend und eindringlich, sowie beruhigend zugleich erzählt die 40-Jährige Linzerin wunderbar wundersame Geschichten wie jene über die Geschenkedeuterin, zu der Mädchen hingehen, um sich Geschenke ihres Liebsten in Bezug auf dessen Liebe deuten zu lassen. Sie regen zu einem gelösten, freudig seufzenden Lächeln an. Behaglich. Ja, behaglich ist das richtige Wort für die Lektüre dieses wunderbaren Buches. Auf dass auch bei Ihnen Wunder geschehen in den Raunächten!

Nina Stögmüller: Raunächte erzählen. Ein Lese- und Märchenbuch über die zwölf heiligen Nächte im Jahr. Anton Pustet Verlag

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