Eines Abends in der Bücherei: Vom Kaufen, Ausmisten und Flüchten vor den Kindern

Jede/r ist derzeit am Ausmisten, das sagte mir gestern Abend „meine“ Bibliothekarin in der Bücherei bei uns ums Eck. Dorthin bin ich nämlichgestern um sieben Uhr am Abend geflüchtet, damit mein Mann in Ruhe die Kinder ins Bett legen konnte. Denn meine Anwesenheit stört die Vater-Tochter-Tochter Idylle im Moment mal wieder. Wahrscheinlich weil ich im August, also in der kindergartenfreien Zeit, blau gemacht habe und somit zu viel anwesend war. So danken es die lieben Kinder. Wollen immer nur Mama-Bett und Mama-Zähneputzen. Dabei war mein Mann ja gar nicht nicht da während der Ferien. Nur ein bissl weniger wie ich. Wie auch immer, ich muss also flüchten kurz vor dem Abendessen und kann erst nach acht wieder zurückkommen, sonst muss ich mich doch noch einklicken ins abendliche Ritual. Also war ich in der Bücherei, leider derzeit (fast) der einzige Ort in unserem Ort, der am Abend begehbar ist. Aber eigentlich ist das eh ein sehr guter Ort. Als ich dort so meinen Status-Quo in Sachen Alltag, Arbeit, Kinder erzählt habe, hat mir dann eben die liebe Bibliothekarin erzählt, dass ihr alle Besucherinnen, ja, nur die weiblichen, gerade berichten, dass sie grad ausmisten, sortieren, schlichten, Ordnung machen. Das ist wohl der Herbst und der bevorstehende Winter. Ich habe das Gefühl, ich muss die Höhle in Schuss bringen, bevor wir dann das nächste halbe Jahr nicht mehr rauskönnen. Dabei soll es ja auch schöne Tage geben in der kalten Jahreszeit. Kann mich gar nicht mehr erinnern wie das ist. Ist schon wieder so lange her. Und es passiert ja dauernd so viel… Das ist ein schräger Aspekt des Lebens mit Kinder – einerseits vergehen die Tage wie im Flug, andererseits hat man das Gefühl, die Vergangenheit sei schon ewig aus. Wie auch immer. Ich miste aus, ich räume auf, heute streichen wir sogar die Küchenfließen. Damit alles wieder schön weiß ist. Schön geordnet. Schlimm nur, wieviel da immer anfällt an Dingen, die ich nicht mehr brauche. Einen ganzen Berg voller Kleider habe ich zusammengetragen (nur von mir), einen anderen Berg voll Kinderkleidung. Außerdem Spielzeug und Bücher- wo wir wieder in der Bücherei angekommen wären, fällt mir gerade auf. Denn es erzählen der Bibliothekarin deshalb so viele Leute vom Ausmisten, weil sie ihr ihre alten Bücher andrehen möchten. Doch wissen Sie was? Die freut sich gar nicht darüber! Das schockiert dann die meisten, glauben Sie doch, mit ihrer Sachspende Gutes zu tun. Dachte ich ja auch. Doch was soll ich dann bitte mit all den Sachen machen. Der Keller geht bald über. Und das passt gar nicht zu dem saubergeputzen Boden (ja, ich habe sogar im Keller den Boden gewischt und gesaugt!).  Auch Kleiderspenden sind ja nicht mehr das, was sie mal waren, immer wieder hört man von gar nicht ethisch korrekten Dingen, die mit den Kleidern passieren und davon, dass es gar nicht so viele Menschen gibt, die sich wirklich über die Kleider freuen. Dabei wär‘s so einfach gewesen. Ganz viel kaufen und wenn man‘s nicht mehr braucht in einen Sack stecken und anderen eine Freude bereiten. Tauschbörse, genau, das ist vielleicht eine gute Alternative. Gibt es ja immer häufiger in letzter Zeit. Ist aber halt wieder ein bissl mehr Aufwand… Infos zu Tauschbören gibt’s übrigens unter www.sinnvolltaetigsein.at/tauschkreise oder unter www.hitflip.at

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