„Des interessiert doch!“ – Eine Reise in die harte Vergangenheit

Kleiner Test: Blicken Sie geradeaus. Haben Sie Knöpfe an Ihrem Kleidungsstück? Wenn ja, welche Farbe haben diese? Stopp. Zur Kontrolle richten Sie nun Ihren Blick nach unten. Falls Sie falsch lagen, wundern Sie sich nicht. Das ist ein Zeichen unserer Zeit. Wir haben so viel von allem, dass wir Details kaum mehr wahrnehmen. In Bezug auf unseren Alltag, auf unser Leben, auf die Welt.  

Sabine Krump aus Ried in der Riedmark hat ein Buch über Zwirnknöpfe geschrieben. Und weil ihr im Vorhinein bescheinigt wurde, dass „des jo eh kan mehr interessiert“, hat sie dieses Buch im Eigenverlag drucken lassen. Siehe da, das interessiert doch! „Die Knopfmacherin“ ist ein wunderbares Buch über das Leben rund um 1900. Das Zwirnknöpfe machen war damals eine notwendige Heimarbeit, die wesentlich zum wirtschaftlichen Erhalt der Familien – u.a. im Mühl- und Waldviertel – beitrug. Es war eine Zeit, in der die Kinder sich noch vor der Schule hinsetzen mussten, um zu arbeiten. Und wehe, die Hände waren schmutzig! Es war eine Zeit, in der sich betagte Damen und Herren in einem Haushalt trafen, um im Winter, um zu sparen, nur eine Petroleumlampe für die Arbeit verwenden zu müssen.

“Meine Großmutter, meine Mutter und sogar mein Onkel haben als Kinder Zwirnknöpfe genäht”, erzählt Sabine Krump, der die Liebe zum Kunsthandwerk sozusagen in die Wiege gelegt worden ist. Sie selbst hat ihr ganzes Erspartes zusammengekratzt, um diese Buch zu veröffentlichen, mit dem sie in Form von Texten und Bildern eine Brücke schlagen will zwischen dem alten Kunsthandwerk und der heutigen modernen Zeit der maschinellen Fertigung.

Man kennt die weißen Zwirnknöpfe ja noch von alter Bettwäsche, von Blusen, Leinenhemden, Babykleidung. Doch die Geschichte dahinter kennt kaum jemand. „Mindere Bezahlung, triste Arbeitsverhältnisse, sitzende Lebensweise, gekrümmter Rücken, zusammengekauerte Brust, ständige Verkrampfung der Finger, schlechte Beleuchtung für die Augen – die in weiterer Folge zur Kurzsichtigkeit der Schulkinder führte, magere Ernährung (…)“ Keine romantische Geschichte ist das. Aber schließlich geht es ja auch um eine Zeit, in der man noch dankbar für ein Paar Schuhe war. Lang ist das her. Maschinenknöpfe gibt es übrigens seit dem zweiten Weltkrieg.

Sabine Krump: Die Knopfmacherin. Eigenverlag (www.facebook.com/zwirnknopfesabinekrump)

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