Aus Müll wird Schmuck

Foto: Grininger

Upcycling in Freistadt

Unsere Zeit ist geprägt vom unaufhörlichen Anhäufen neuer Produkte – Stichwort Konsumgesellschaft. Carin Fürst hat sich dem Prinzip „Aus Alt mach Neu“ verschrieben. So entstehen aus ausrangierten Zahnspangendrähten, Videokassetten, Flip Flops und vielem mehr Ketten, Armbänder und Ohrringe. Upcycling nennt sich dieses Prinzip.

Weil sich Carin Fürst beim Leistungsturnen während der Schulzeit verletzt hat, hat sie nicht Sport, sondern Architektur studiert. Und weil sie sich im Zuge ihrer Bauaufsichten auf Baustellen in Wien, wo sie mehr als 20 Jahre gelebt hat, so oft über den vielen Müll ärgern musste, den die Handwerker hinterließen, beschloss sie vor knapp zehn Jahren, aus diesem Müll etwas Neues entstehen zu lassen. So kam es, dass die Künstlerin, die mittlerweile im alten Haus ihrer verstorbenen Eltern in Freistadt lebt, nun nur noch die Hälfte ihrer Zeit mit Architektur verbringt, den Rest des Tages kreiert sie Schmuck. Bis zu zehn neue Werkstücke täglich.

1000 und eine Idee Das Atelier im Wintergarten ist voll mit Schachteln, Boxen und anderen Aufbewahrungsbehältern, die Industrieabfälle aller Art beinhalten und darauf warten, von Carin Fürst bearbeitet zu werden. Werkzeug braucht sie dazu kaum, mit Lochzangen und ein paar guten Scheren kommt sie aus, um die Drähte, Plastikverschlüsse, Schläuche uvm. zu verarbeiten. So einfach wie möglich versucht sie, ihre Ideen umzusetzen. Oft kommen sie ihr in der Nacht, um sie nicht zu vergessen, werden  sie immer – egal wann – gleich skizziert. Ein Ende ist nicht in Sicht, der Recycling Schmuck  hat es ihr angetan; ihrer Kundschaft ebenso.

Müll-Deal Durchschnittlich alle zwei Wochen pilgert die Designerin zu Handwerksmärkten in ganz Österreich um ihre genialen Waren an die Frau zu bringen. Werbung muss sie dafür kaum machen, es hat sich schon längst herumgesprochen, dass dieser Schmuck schräg aber tragbar, massiv aber leicht, aus alten Stoffen aber zeitgemäß ist. Lieferanten für ihre Materialien hat sie genug, Carin Fürst erzählt von einem Mitarbeiter eines medizinischen Labors der ihr die Abfälle beschafft, einem Fahrradgeschäftbesitzer, einem Dichtungshersteller aus Wien und v.a. auch von ihren Freunden, die ihr, wie sie sagt, in regelmäßigen Abständen mit verschwörerischer Miene und dem Hinweis „Du wirst sicher wieder was Schönes daraus machen.“ Sackerl, vollgefüllt mit allem möglichen, vorbeibringen. Bei diesen Erzählungen beginnen die Augen der kreativen Müllverwerterin zu leuchten.

Alt-Neustadt Wenn Carin Fürst sich nicht gerade mit ihrem Schmuck beschäftigt, also weder verkauft, noch kreiert, noch ihr Wissen in Workshops weitergibt, dann setzt sie sich für die Altstadt Freistadt und Kulturprojekte im Mühlviertel ein. Im Zuge des Projekts „Kernland Schaufenster“ versucht sie, Schaufenster in den Orten mit Kunst und Kultur wiederzubeleben und Künstler aus ihren Ateliers zu locken. Ganz uneigennützig ist dieses Engagement nicht: „Ich will vor allem wegen mir selbst, dass die Altstadt belebt ist, sonst ist es ja öde“.

Carin Fürst ist mit ihrer Schmuck-Art von 11. – 13. Mai auf Schloss Mamling, 2.,3. Juni am Handwerksmarkt in der Linzer Altstadt. Wer Lust auf einen Atelierbesuch hat oder sich selbst in einem Workshop ausprobieren möchte, der möge doch bitte die 07942/72905 wählen oder auf die HP www.carin-fuerst.at surfen.

 

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