Auch Künstler/innen sind Menschen oder: Willkommen im Salzamt

KünstlerInnen tragen T-Shirts, Pullover, Hosen, Schuhe, Jacke. Sie müssen trinken, essen und schlafen, um zu Überleben. Sie duschen sogar. Und natürlich brauchen Sie Platz, um zu Arbeiten. Nur damit das klar ist.

Freitagvormittag, neun Uhr. Ich sitze mit Mag. Holger Jagersberger, dem Salzamt-Leiter im Gemeinschaftsraum des Salzamtes in Linz bei einer Tasse Kaffee und lasse mir das Konzept des vor drei Jahren neu eröffneten Kulturhauses erklären. Gleich zu Beginn unseres Gespräches betritt Emily Speed, Gastkünstlerin aus Liverpool, den Raum und holt sich einen Staubsauger, um ihr Atelier zu reinigen. (KünstlerInnen haben Interesse an Sauberkeit.) Warum diese Anspielungen, fragen Sie sich? Als das Salzamt renoviert und eingerichtet wurde, musste Holger Jagersberger feststellen, dass es gar nicht so wenige Menschen mit Vorurteilen Künstler/innen und deren Bedürfnissen gegenüber gibt. Aber egal, es ist, wie es ist und jetzt ist es ja gut im Salzamt.

13 Ateliers in einem Haus Das Salzamt, parallel zur Donau unterhalb des Schlossberges, ist ein Atelierhaus, in erster Linie. In zweiter Linie ist es ein Ausstellungshaus. Nachdem es vor allem in den 90ern eine intensive Underground-Kulturgeschichte erlebt hatte, kaufte es 2008 die Stadt Linz und machte daraus einen Ort, an dem reger nationaler und vor allem internationaler künstlerischer Austausch und Produktion stattfindet. In Form von zwei Varianten werden im Salzamt  bildende Künstler/innen gefördert. Einerseits stehen acht Ateliers für Linzer Künstler/innen zur Verfügung, die dort zwei Jahre lang tätig sein können, andererseits beherbergt es fünf Ateliers mit Wohnung (u.a. auch ein Atelier des Landes Oberösterreich, das von der KUNSTSAMMLUNG des Landes an jeweils eine/n Künstler/in mit Oberösterreichbezug vergeben wird), die via Stipendium für den Zeitraum von ein bis drei Monaten auch an internationale Künstlerinnen vergeben werden. 13 Künstler/innen sind also stets gleichzeitig im Salzamt, ein enormer Benefit nicht nur für die Künstler/innen selbst, sondern auch für die Stadt.

Künstler/innen im Gemeinderat Auch junge Kurator/innen werden im Salzamt gefördert. So geschehen beim aktuellen Projekt „Expand, Explore, Expose“, das bis 2.11. im Salzamt zu sehen ist. Hierfür wurde Doris Prlic, die in Linz Malerei studiert hat, eingeladen, sich Künstler/innen zu suchen und eine Ausstellung zu erarbeiten. Deshalb erkundeten im Sommer 2012 zehn Künstler/innen den Stadtraum in Linz und erforschten Verbindungslinien zwischen dem Atelierhaus Salzamt und seiner Umgebung. Auch eine Sitzung des Gemeinderates wurde im Zuge dessen besucht. Im Salzamt geht es ums Vernetzen, ums Fördern von Kunst, ums „neue Wege gehen“.  Und weil das Netzwerken vor allem über die eigenen Landesgrenzen hinaus so wichtig ist, ist das erklärte Ziel für die Zukunft des Salzamtes, den internationalen Austausch noch mehr zu fördern. Eindrücke aus dem Salzamt lesen Sie übrigens auf http://blog.salzamt-linz.at KünstlerInnen können nämlich sogar schreiben!  (Am Ende meines Gespräches mit Holger stellte Emiliy den Staubsauger mit aufgerolltem Kabel! in den Gemeinschaftsraum zurück, Anm.)  Eindrücke zur letzten Ausstellung im Salzamt, „Tage in Aspik“, sind zu sehen auf www.youtube.com/watch?v=3W2RF7y_8tA&feature=pclp

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